Die Operation nach SHOULDICE
Bei diesem Eingriff wird über einen Schnitt in der Leiste die Schicht in der sich der Bruch, also das Loch befindet, überlappend zusammengenäht – „gedoppelt“. Es wird kein Netz implantiert.
Die Operation
Kann in örtlicher oder regionaler oder allgemeiner Narkose vorgenommen werden: Der Eingriff dauert 30 – 45 Minuten und wird ambulant oder eintägig stationär durchgeführt.
Speziell für die Versorgung der „weichen Leiste“ („Fußballerleiste“, „Sportlerleiste“) wird das Verfahren ein wenig modifiziert und die betroffene Muskelhaut nur auf eine deutlich kleinere Strecke als sonst gedoppelt.
Nach der Operation
Je nach Größe des Bruchs und der Festigkeit des vorgefundenen Gewebes kann meist nach
- einigen Tagen wieder gearbeitet
- und nach 3 (bei weicher Leiste) bis 14 Tagen (größerer Bruch) wieder Sport getrieben werden
Rate an neuerlichen Brüchen (Rezidiven)
Abhängig von der Festigkeit der Muskelhäute (Faszien) liegt die Rezidivrate bei Ersteingriffen bei 3-5 % innerhalb der ersten 5 Jahre. Bei Rezidiveingriffen liegt sie bei etwa 15 – 20 %, weshalb wir hier andere Verfahren ( RUTKOW, LICHTENSTEIN) bevorzugen.
Geeignet für
Dieser Eingriff ist neben den Verfahren, bei denen von außen kleine Netze eingesetzt werden, das gängigste OP-Verfahren für jüngere Patienten. Wir setzen es vor allem in seiner „kleineren“ Variante zur schnellen und sicheren Behandlung der weichen Leiste ein.
Die Operation nach RUTKOW mit Netz und Netzplombe

Bei diesem Eingriff wird über einen Schnitt in der Leiste die körpereigene Muskelhaut, in der sich das Loch gebildet hat, durch das Auflegen eines sehr widerstandsfähigen Netzes aus Polypropylen verstärkt und eine vorhandene Bruchlücke durch das Einnähen einer Netzplombe verschlossen.
Die Netzplombe sitzt nun wie ein Flaschenkorken in der ehemaligen Bruchlücke und wächst dort fest in das Gewebe ein.
Dieser Eingriff zählt, ebenso wie das Verfahren nach LICHTENSTEIN, zu den „spannungsfreien“ Verfahren, weil hier keine Muskelhäute verkürzt werden und deshalb keine Spannungen am Leistengewebe auftreten.
Die Operation
Kann in örtlicher, regionaler oder oberflächlich allgemeiner Betäubung ambulant oder eintägig stationär vorgenommen werden und dauert 15 – 35 Minuten.
Nach der Operation
Da es bei diesem Verfahren nicht zu einer Verkürzung der Muskelhaut kommt, sind die Beschwerden nach der Operation immer sehr gering.
Arbeitsfähigkeit tritt meist nach einigen Tagen wieder ein.
Mit Sport kann bereits nach 3 Tagen wieder begonnen werden, weil dieses Verfahren zu einer extremen Frühfestigkeit führt .
Rate an neuerlichen Brüchen (Rezidiven)
Die Rezidivrate liegt hier bei etwa 1 – 3 % in den ersten 5 Jahren, wenn es sich um einen Ersteingriff handelte. Bei Rezidiveingriffen liegt die Rate etwas höher.
Geeignet für
Alle Leistenbrüche, Schenkelbrüche und Hodenbrüche.
Das Verfahren ist heute extrem häufig in den USA: pro Jahr werden dort etwa 2 Millionen der Netz-und-Plomben-Sets an die Hernienzentren verkauft.
Nicht geeignet für die Versorgung der weichen Leiste („Fußballerleiste“, „Sportlerleiste“): Dort wenden wir eine lokale Doppelung der Muskelhaut an und erlauben unseren Patienten ebenfalls wieder nach 3 Tagen Sport zu treiben.
Die Operation nach LICHTENSTEIN mit Netz
Bei diesem Eingriff wird über einen Schnitt in der Leiste die Muskelhaut, in der sich das Loch gebildet hat, durch das Aufnähen eines dünnen Netzes aus Polypropylen verstärkt und eine vorhandene Bruchlücke eventuell noch zusätzlich durch eine Naht verschlossen. Dieser Eingriff zählt, ebenso wie das Verfahren nach RUTKOW, zu den „spannungsfreien“ Verfahren, weil hier keine Muskelhäute verkürzt werden und deshalb keine Spannungen am Leistengewebe auftreten.
Als Abwandlung des Verfahrens kann auch ein Netz aus langsam löslichen („resorbierbarem“) Material gewählt werden.
Die Operation
Kann ambulant oder eintägig stationär in örtlicher, regionaler oder oberflächlich allgemeiner Betäubung vorgenommen werden und dauert 30 – 45 Minuten.
Nach der Operation
Da es bei diesem Verfahren nicht zu einer Verkürzung der Muskelhaut kommt, sind die Beschwerden nach der Operation meist sehr gering. Arbeitsfähigkeit tritt meist nach einigen Tagen wieder ein. Mit Sport können unsere Patienten nach 1 - 2 Wochen wieder beginnen.
Rate an neuerlichen Brüchen (Rezidiven)
Die Rezidivrate liegt hier bei etwa 3- 5 % in den ersten 5 Jahren, wenn es sich um einen Ersteingriff handelte. Bei Rezidiveingriffen liegt die Rate höher.
Geeignet für
Hernien bei denen weiche Muskelhäute vorliegen, die ein Verfahren mit reiner Muskelhaut-Doppelung als nicht sinnvoll erscheinen lassen.
Die endoskopischen Operationen („TEP“ * und „TAPP“ * )
Bei diesen Eingriffen wird über mehrere kurze Schnitte (meist drei) ein großes Kunststoffnetz, das auch mit Titan beschichtet sein kann, entweder durch den Bauchraum (TAPP-Verfahren) oder durch Untertunnelung der Bauchmuskulatur (TEP-Verfahren) an die Leistenwand geheftet.
Die Operationen
Werden stationär in tiefer Vollnarkose (es ist notwendig die Bauchmuskulatur komplett zu entspannen und den Patienten deshalb maschinell zu beatmen) vorgenommen und dauern zwischen 60 und 120 Minuten.
Nach der Operation
Da es bei diesem Verfahren nicht zu einer Verkürzung der Muskelhaut kommt, sind die Beschwerden nach der Operation meistens gering. Arbeitsfähigkeit tritt meist nach 8 -10 Tagen wieder ein. Mit Sport kann meist nach 20 Tagen wieder begonnen werden.
Die Komplikationsrate dieser Verfahren ist deutlich höher als beispielsweise derjenigen, bei denen ein Netz über einen kleinen Schnitt („offen“) von außen implantiert wird, oder die nur mit einer Muskelhautdoppelung auskommen.
Rate an neuerlichen Brüchen (Rezidiven)
Die Rezidivrate liegt hier bei etwa 5 – 10 % in den ersten 5 Jahren, wenn es sich um einen Ersteingriff handelte. Bei Rezidiveingriffen liegt die Rate etwas höher.
Wie bei allen Bruchreparationen hängt diese Rate natürlich sehr stark von der Erfahrung des Operateurs ab: speziell die endoskopischen Verfahren gelten erst nach einer großen Zahl von Eingriffen als „erlernt“.
Spezifische Nachteile
Die Verfahren haben eine deutlich höhere Rate an insbesondere lebensbedrohlichen Komplikationen, als die „offenen“ Verfahren, wiederum auch abhängig von der Erfahrung des Operateurs:
- berichtet wird über Verletzungen von Blase, Darm, großen Blutgefäßen und Nervensträngen, ausgedehnten inneren Blutungen, etc.
- speziell die sehr leicht zu übersehenden, oft winzigen, Verletzungen der Darmwand können innerhalb weniger Stunden zur gefürchteten Bauchfellentzündung führen, die auch tödlich ausgehen kann. Solche Darmverletzungen kommen bei den „offenen“ Operationsverfahren eigentlich nur bei der Behandlung „eingeklemmter“ Brüche vor, bei denen Darm im OP-Gebiet liegt. In allen anderen Fällen liegt der Darm deutlich unter der Ebene, in der behandelt wird.
Das eingesetzte Netz lässt sich in der Regel nicht mehr entfernen und kann später einmal bei anderen Eingriffen ein beträchtliches Hindernis darstellen: z.B. kann es die Entfernung von Lymphknoten entlang der Beckengefäße bei einer Hodenkrebserkrankung behindern oder sogar unmöglich machen.
Die Verfahren sind aufwendig und nur in Vollnarkose und meist mit mehrtägigem stationären Aufenthalt durchführbar.
Geeignet für
Diese Verfahren sollten nicht als Standard eingesetzt werden, sondern insbesondere hartnäckigen Rezidiven vorbehalten bleiben. Auch sollten sie wegen der genannten Nachteile besonders zurückhaltend bei jungen Patienten zur Anwendung gelangen.
Die offene innere Netzplastik mit "PolySoft"
Es handelt sich wiederum um einen minimalinvasiven offenen Eingriff, bei dem ebenfalls nur ein sehr kurzer Schnitt in der Leiste (kosmetisch noch günstiger zu legen als die mehreren kleinen Schnitte bei den endoskopischen Verfahren) verwendet wird.
Das vorgeformte Netz wird hier, wie beim endoskopischen TEPP-Verfahren – jedoch ohne den weiten Weg durch die Muskelhäute des Bauches zu nehmen, an der Innenseite der Bauchwand befestigt. Es bietet also denselben spezifischen Vorteil wie das erwähnte TEPP-Verfahren, ist aber im Gegensatz zu diesem in örtlicher Betäubung oder sehr leichter Narkose ausführbar.“
* TEP = total extraperitoneale Plastik
* TAPP = transabdomino-peritoneale Plastik